Der musikalische Adventskalender 01

Melanie Blattner, eine unserer Organistinnen, schenkt uns ihre Gedanken zum 1. Advent. Fortsetzung folgt.

Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt,
dass unser Licht vor allen Menschen brennt!
Lass uns dich schaun im ewigen Advent.
Halleluja, Halleluja.

Tief liegt des Todes Schatten auf der Welt.
Aber dein Glanz die Finsternis erhellt.
Dein Lebenshauch bewegt das Totenfeld.
Halleluja, Halleluja.

(GL 552, Strophe 1+2)

Warum fällt meine Wahl für die erste Adventswoche auf dieses Lied? Es steht im Gotteslob nicht unter den Adventsliedern, sondern im Abschnitt „Die Himmlische Stadt“. Übrigens ebenso wie das Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (GL 554), das uns von dieser Stadt erzählt.

Die Zeit des Advents - und im Besonderen der erste Adventssonntag – ist geprägt von unserem Warten auf die himmlische Stadt:

Eine große Stadt ersteht,
die vom Himmel niedergeht in die Erdenzeit.
Mond und Sonne braucht sie nicht;
Jesus Christus ist ihr Licht, ihre Herrlichkeit. (GL 479)
Ist unsere Hoffnung auf die Wiederkehr Christi am Jüngsten Tag erfüllt, werden wir den „ewigen Advent“ feiern (lateinisch adventus für Ankunft). Damit ist der Bogen gespannt, der in der Schöpfung seinen Ursprung nahm: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht“ (1. Moses 1, 3).

Auch über unser Leben und das Kirchenjahr spannt sich ein Bogen, der am ersten Advent beginnt und seine Vollendung am Christkönigssonntag findet. Zuvor haben wir im November unseren Toten gedacht, für die wir im Requiem häufig singen:
Und sind wir einmal müde,
dann stell ein Licht uns aus,
o Gott, in deiner Güte;
dann finden wir nach Haus. (GL 505, 5)

Wenn in der zweiten Strophe des Liedes vom „Totenfeld“ die Rede ist, dann stört das vielleicht zunächst unser Bedürfnis nach einem Wohlfühl-Advent. Aber dahinter steht die Zuversicht, dass der „Lebenshauch“ dieses Totenfeld bewegt, ebenso wie er uns in der Schöpfung zu lebendigen Wesen hat werden lassen.

Hochaktuell ist der jeweilige Strophenbeginn der ersten beiden Strophen: „Herr, mach uns stark“ sowie „Tief liegt des Todes Schatten auf der Welt“. Ja, die aktuelle Zeit erfordert Stärke. Den Glauben zu leben, braucht Stärke. Warten benötigt Stärke. Dafür beten wir und freuen uns über die Zeichen gelebten Glaubens, über die Lichter auf unserem Lebensweg. Lasst uns leuchten! Halleluja!