Melanie Blattner, eine unserer Organistinnen, schenkt uns ihre Gedanken zum 2. Advent. Fortsetzung folgt.

Der musikalische Adventskalender 02

Ein Bote kommt, der Heil verheißt
und nie Gehörtes kündet.
Die neue Welt aus Gottes Geist
wird in der Welt gegründet.
Gott selber kommt den Menschen nah;
Maria aber gibt ihr Ja.
Das Wort ist unser Bruder.

Maria, du hast Ja gesagt
zu Gottes Ruf und Gnade.
Den ganzen Weg hast du gewagt;
begleite unsre Pfade,
dass ihn, den du empfangen hast,
auch unser Herz mit Freude fasst
und Raum gibt seiner Liebe.

(GL 528, Strophe 1+3)

 

Da wir am 8. Dezember ein Marienfest feiern, fiel meine Wahl für die zweite Adventswoche auf dieses adventliche Marienlied. Der Text stammt von Peter Gerloff, einem konvertierten katholischen Priester (übrigens lohnt es sich, auch die Texte der anderen Gottesloblieder von ihm zu lesen: GL 103, GL 325, GL 363, GL 374, GL 504). Es wird auf die bekannte Melodie „Lobpreiset all zu dieser Zeit“ (GL 258) bzw. „Ich steh an deiner Krippe hier“ (im alten GL 141) gesungen und handelt von der Verkündigung des Herrn oder auch Mariä Verkündigung – ein Fest außerhalb der Adventszeit (25. März) mit adventlichem Charakter (Lk 1,26–38).

Eine wunderschöne Darstellung gibt es davon in unserer Kirche (Deckengemälde vor dem Chorbogen, siehe obiges Foto) an einer ähnlichen Position wie in der orthodoxen Kirche. Dort findet sich die Darstellung in der Mitte einer mit Ikonen geschmückten Wand zwischen Kirchenschiff und Altarraum an der sogenannten Königlichen Tür. Durch diese Tür kommt Christus, der „König aller Königreich“. In der Liturgie geschieht dies symbolisch zwei Mal, indem der Priester durch sie hindurch tritt, um das Evangelium zu verkünden und die Heilige Kommunion zu spenden (Strophe 1: „Gott selber kommt den Menschen nah“). Da bekommt das Lied GL 218 gleich eine noch tiefere Bedeutung:
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich…“

Vor allem die Tür zu unserem Herzen sollen wir öffnen, wie es in der 5. Strophe von GL 218 heißt:
„Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein,
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.“
Auch zur Gnade braucht es unser Ja (Strophe 2: „Maria, du hast Ja gesagt zu Gottes Ruf und Gnade.“). Nur wenn wir uns öffnen, kann Gott in unserem Herzen ankommen:„Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt“ (GL 219, nach Jes 60, 1). In Jesaja 60, 5 heißt es weiter: „Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten.“ Nichts anderes meint das ausgewählte Lied, wenn es davon spricht, dass unser Herz Gott mit Freude fassen und seiner Liebe Raum geben soll.

Und so hoffen wir, dass uns und unser Leben die Freude erfasst. Schließlich feiern wir am kommenden Sonntag den 3. Advent oder auch Gaudete: Freut Euch! So mag es uns gelingen, „den ganzen Weg“ mit Gott zu gehen und dies mit Liebe zu tun.