Melanie Blattner, eine unserer Organistinnen, schenkt uns ihre Gedanken zum 3. Advent. Fortsetzung folgt.

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Wir ziehen vor die Tore der Stadt.
Der Herr ist nicht mehr fern.
Singt laut, wer eine Stimme hat!
Erhebt die Blicke, wer schwach und matt!
Wir ziehen vor die Tore der Stadt
Und grüßen unsern Herrn.

Er ist entschlossen, Wege zu gehn,
die keiner sich getraut.
Er wird zu den Verstoßnen stehn,
wird nicht nach anderer Urteil sehn.
Er ist entschlossen, Wege zu gehn,
vor denen allen graut.

Er ruft uns vor die Tore der Welt.
Denn draußen wird er sein,
der draußen eine Krippe wählt
und draußen stirbt auf dem Schädelfeld.
Er ruft uns vor die Tore der Welt:
Steht für die draußen ein!

(GL 225)

Freut euch! Am vergangenen Sonntag, dem 3. Advent, feierten wir Gaudete.
Singt laut - heißt es im obigen Lied, das neu in das Gotteslob aufgenommen wurde.

Dies sind Aufforderungen, denen wir gerne nachkommen. Übrigens gilt diese Aufforderung nicht nur den vermeintlich schönen, sondern allen Stimmen. Da uns die derzeitige Lage aber nicht erlaubt, gemeinsam zu singen, erheben wir stattdessen unseren Blick: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat“ (Psalm 121,1-2).

Der Text folgt einem einfachen Reimschema (AA AB AA). Auch die Melodie ist sehr einfach gehalten und erinnert ein wenig an jüdische Musik, ist doch von Jerusalem die Rede. Der Mittelteil ist um einen Ganzton erhöht, um dann für den Schlussteil wieder auf die Anfangstonart zurückzukehren mit ähnlichem Text wie zu Strophenbeginn. In diesem Lied ist Bewegung. Es ist im 4/2-Takt geschrieben. Der Marsch-Charakter verdeutlicht die Bewegung nach vorne, die der Text von uns verlangt: „Wir ziehen vor die Tore der Stadt.“ Wir kennen eine ähnliche musikalische Umsetzung eines Liedtextes vom Lied GL 754: „Tauet, Himmel, den Gerechten! Wolken, regnet ihn herab“. Hier ist die Bewegung von oben nach unten vertont – wie der Regen.

Setzen wir doch diese Bewegungen um und folgen auch den Aufforderungen des Advents, die manchmal etwas unbequem sein können:
Macht hoch die Tür – Gott bei uns ankommen lassen; darüber dachten wir letzte Woche nach.
Steht für die draußen ein! Ist die Aufforderung für diese Woche: Hinaus in die Welt gehen und unseren Glauben mit Leben erfüllen.