„Mozart ist eine alte Augsburger Familie, Amadeus ist der erste Spross, der in Salzburg auf die Welt kam.“ Da waren die Mitglieder des Kirchenchores Schönenberg platt. Das Mozarthaus hinter dem Dom und eine Tafel in der Fuggersiedlung zeugen von dem Wirken der Mozarts in Augsburg. Noch Vater Leopold schrieb seine berühmte bis heute gültige Violinschule noch in Augsburg bevor er in Salzburg eine Stelle bekam und dort heiratete.

Dieses Jahr war der Ausflug des Kirchenchores Schönenberg mit dem kulturellen Highlight der Renaissancestadt Augsburg verbunden. Mit Augsburg werden immer nur die Fugger verbunden. Dass die Stadt so viel anderes Bemerkenswertes zu bieten hat, hätte keiner der 40 Teilnehmer gedacht. Begonnen hatte der Tag auf dem Rathausplatz, auf dem MAN sein 175-jähriges Bestehen feierte. Der Augsburger Rudolf Diesel hatte zusammen mit MAN 1897 in seiner Heimatstadt seinen ersten Dieselmotor, die Attraktion der Pariser Weltausstellung 1900, selbständig zum Laufen gebracht.

Dann ging es ins Rathaus und hinauf in den Goldenen Saal. Ein Repräsentativ-Saal, wie man ihn sich kaum vorstellen kann. Ein Doppelhaus würde gut Platz haben. Er sollte einerseits durch das viele Gold beeindrucken, andererseits erinnern die Fresken an der Wand und die kluge Bildkomposition an der Decke die Ratsherren an ihre Regierungsverantwortung: Förderung der Bürger und Festigung nach außen durch die 8 Grundtugenden. Dabei war das Rathaus im Krieg völlig zerstört worden und der Goldene Saal erst nach der 2000 Jahrfeier 1985 wieder in seiner ursprünglichen Ausstrahlung gestaltet worden. Augsburg war wegen seiner Firmen, die für das Militär produzierten, ein begehrtes Angriffsziel der Alliierten. Besonders die Bombennacht vom 25./ 26. Februar 1944 mit 3 Angriffen hatte viele Opfer und zerstörte die Stadt.

Anschließend suchten die Schönenberger St. Peter mit dem Bild der Knotenlöserin auf. Das Bild wurde durch Papst Franziskus, der es bei einem Deutschlandaufenthalt kennenlernte, weltbekannt. Dann ging es den Perlachberg hinunter zur Metzg, die ebenso Elias Holl aufbaute. Elias Holl war der große Renaissancebaumeister in Augsburg mit allein 27 Gebäuden. Geschickt leitete er einen der vielen Kanäle unter die Metzg als Kühlung für den Schlachthof. Zusätzlich konnten die Abfälle im schnell fließenden Kanal entsorgt werden. Augsburg bestellte im Mittelalter jährlich etwa 600 Ochsen, die aus dem fernen Ungarn jährlich über Wien, Passau, Augsburg bis Paris getrieben wurden und zur Fleischversorgung der reichen Stadt diente. Insgesamt wurde so etwa 200.000 Grauochsen aus Ungarn auf die Großstädte in Europa verteilt.

Am Brechthaus vorbei und über einige der vielen Kanäle (insgesamt 179 km) führte der Weg in die Fuggersiedlung, der ersten Sozialsiedlung der Welt. Dort konnte sich jeder über die Gründe der unglaublichen Entwicklung der Familie Fugger informieren. Die Kenntnisse aus Italien mit der Doppelten Buchführung, die Geschäfte mit den Fürsten, Kaiser und der Kirche brachten unglaublichen Gewinn, wobei geliehenes Geld meist nicht zurückgezahlt wurde, sondern mit Lizenzen gesichert waren: Schürfrechte, Ablassverwaltung, Handelslizenzen usw. Daraus ließ sich deutlich mehr Gewinn erzielen als durch Kreditzins, der von den Fürsten, Päpsten und Kaisern meist nicht geleistet werden konnte. Jakob und Anton Fugger, die die Dynastie aufgebaut und bewahrt hatten, waren erfolgreiche Unternehmer, weil sie dem Neuen sehr offen standen. Sie konnten z.B. innerhalb von 2 Stunden durch Spiegel Informationen vom Hafen in Lissabon nach Augsburg transformieren. Die Fuggersiedlung, die heute noch als private Stiftung eigenständig arbeitet, sollte nicht nur als Fürsorge armer Leute gelten, sondern war auch für sein Seelenheil gedacht. Drei Bedingungen waren für die Aufnahme unabdingbar: unverschuldet verarmt, katholisch sein und 3 Gebete pro Tag für den Fugger beten: ein Vater unser, ein Ave Maria und das Glaubensbekenntnis. Bettler und Kriminelle wurden nicht aufgenommen.

Zum Mittagessen lud das Restaurant im schönen Zeughaus, ebenso eines der 27 Bauwerke von Elias Holl, ein. Dort erfuhren die Chormitglieder über die Biertradition Augsburgs. Augsburg war neben Berlin und Breslau die größte Bierstadt des Heiligen Römischen Reiches. 100 Brauereien in Augsburg, 969 im Schwäbischen Bezirk unterstrichen die große Bedeutung des Bieres in der Renaissancestadt. Augsburg führte bereits 1143 das Reinheitsgebot ein, das erst 1516 in Bayern übernommen wurde. 

Nachmittags führte der Weg in den St. Annahof, wo Luther während seines ersten Verhörs 1518 wohnte und noch rechtzeitig fliehen konnte. Ansonsten wäre im vielleicht ein ähnliches Schicksal ergangen, wie fast 100 Jahre zuvor Jan Hus in Konstanz. Dieser wurde verurteilt und verbrannt. Luther wurde 1520 vom Papst gebannt und in Worms mit der Reichsacht belegt. Interessanterweise wurde auch Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden, der der Lehre Luthers nahestand und ihn mit Informationen versorgte als einziger mit ihm gebannt. Er nutzte aber die 60 Tagesfrist des Widerrufs, als Kanonikus von Ellwangen und Domherr von Augsburg und Eichstätt wäre seine Laufbahn zu Ende gewesen.

Nach dem interessanten Tag kehrte der Schönenberger Kirchenchor nach einer kurzen Einkehr in Wemding abends wieder nach Ellwangen zurück. Jetzt verbinden sie mit Augsburg nicht nur mit Fugger, sondern auch mit Mozart, Diesel, Luther und mit einer herrlichen Stadt, die viele kleine Ecken und eine prächtige einladende Maximilianstraße bietet.

Go to top