Am Sonntag, 18. April 2021, gedachten die Ellwanger Kirchengemeinden in einem gemeinsamen Ökumenischen Gottesdienst auf dem Marktplatz der Betroffenen und Opfer der Corona-Pandemie. Pfarrer P. Martin Leitgöb hielt dabei folgende kurze Predigt:

 Geschätzte Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens,
liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herrn!

Unter den 150 Psalmen, die im Buch der Bücher überliefert sind, ist der 23. Psalm wahrscheinlich der allerbekannteste. Wir haben ihn vorhin gemeinsam gebetet. Das Lied von Gott als gutem Hirten ist Ausdruck tiefer menschlicher Sehnsucht und vermittelt dichte religiöse Erfahrung. Dieses Gebet voller Poesie schenkt Trost und Kraft in Verhältnissen, die aller Poesie entbehren, dann, wenn aus Lebenssituationen Leidenssituationen geworden sind.

Wir sind hier versammelt, um den unzähligen Leidenssituationen der Corona-Pandemie Raum zu geben. Wir haben uns an diesem Abend Zeit genommen, um unseren Blick zu lösen von den vielen Tabellen und Statistiken. Nicht die anonymen Zahlen von Inzidenzwerten und von Todesfällen bewegen uns. Es bewegt uns vielmehr, dass konkrete Schicksale hinter diesen Zahlen stecken. Menschen mit Leib und Seele, mit einem Gesicht und einem Namen sind zu Betroffenen und zu Opfern der Ausbreitung des Covid-19-Virus geworden.

Wir beteten und meditierten den 23. Psalm. Bereits über zweieinhalb tausend Jahre wird dieses Gebet gesprochen. Es schenkte vor allem dann immer wieder Zuversicht, wenn die Welt aus den Fugen geraten war und wenn sich Ohnmacht und Angst ausgebreitet hatten. So hoffen auch wir darauf, dass die uralte Verheißung in jeder einzelnen konkreten Situation wirklich werde: Gott ist in den dunklen Stunden menschlicher Existenz nicht fern, sondern nahe, auch wenn wir uns solche Stunden natürlich am liebsten ersparen würden und alles in uns Widerstand leistet, wenn sie da sind.

Der kürzlich verstorbene Tübinger Theologe Hans Küng hat einmal gesagt: „Gottes Liebe bewahrt nicht vor allem Leid, sie bewahrt aber in allem Leid.“ Genau das möchte unser Psalm ausdrücken, und diese Gewissheit werden wir auch weiterhin brauchen: In allem Leid und selbst in der Unwiderruflichkeit des Todes sind wir bewahrt. Amen.